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Es regt sich was auf dem Gelände in der Paul-Schäfer Straße in Erfurt

BAUSTELLEN UPDATE

Freitag, 04. September 2020, 12:47 Uhr
Riesige Stahltanks wurden aus dem kontaminierten Boden geholt. (Foto: Hellmann/Autohaus Peter)

ERFURT
Helmut Peter weiß, worauf er sich da eingelassen hat. Einer der größten Thüringer Autohändler wird in Erfurt ein „automobiles Dienstleistungszentrum der Marke Opel“ errichten. Soll heißen, mit Autoverkauf, Service, Blechwerkstatt. Und das alles auf vermintem Gelände. Denn dort, in der Paul-Schäfer-Straße, wo gestern zwei Riesenbagger damit begannen, riesige Stahltanks aus dem kontaminierten Boden zu holen, stand früher das Minol- Tanklager.

Zu Ost-Zeiten ging es da wenig zimperlich zu. An Spitzentagen wurden hier 600.000 Liter Sprit umgeschlagen. Da lief beim Umpumpen gern mal aus den Kesselwagen Kraftstoff aus und versickerte im Boden. Zurück blieb eine tickende Umweltbombe. An die keiner ran wollte. Und wenn doch, erwiesen sich die Interessenten mehrfach als profitgierige Glücksritter. Dann kam Helmut Peter. Für sein langjähriges Autohaus in der Schlachthofstraße hatte ihm der Vermieter gekündigt. Auf die Schnelle war aber nichts Adäquates zu finden. Und er hatte eine Räumungsklage am Hals. Er fuhr in Erfurt herum, sah sich um und fand die Paul-Schäfer-Straße 97. Gesagt, getan.

Da sich nun die Lösung an besagter Stelle abzeichnet, ist er nun noch bis Ende 2021 am alten Standort geduldet. Peter ist sicher, das bis dahin sein neues Domizil auf 17.000 Quadratmetern Grundfläche betriebsbereit ist. Ein Mammutprojekt. Ein Optimist. Der gleich noch 7500 Quadratmeter Grund und Boden dazukaufte, um seine Pläne perfekt umzusetzen. Denn nachdem auf der bisherigen Gammelbrache Baufreiheit geschaffen worden war, begann gestern der aufwendigste Teil des Projektes. Die 30 im Boden liegenden verrotteten Kraftstofftanks mussten raus. Und danach das Erdreich. Zwei riesige Bagger griffen sich den ersten Stahltank, der freigelegt worden war. Fassungsvermögen: 69.000 Liter. Die anderen 29 musste man sich mühsam zusammensuchen. Pläne des um 1942 in Betrieb gegangenen Kraftstofflagers gab es nämlich keine. „War ein bisschen wie Kartoffeln stoppeln“, scherzte Helmut Peter. Inzwischen weiß man, wo was liegt. Die größte noch verbuddelte Stahlröhre fasste einstmals 100.000 Liter Benzin. Alle wurden abgepumpt, aber noch immer sind Reste aus Kraftstoff, Wasser und Schlamm drin. Daher muss alles speziell entsorgt werden. Eine sehr teure Angelegenheit. Für die das Land Thüringen mit vier Millionen Euro aufkommt. „Ohne die Freistellung des Freistaates für das kontaminierteste Grundstück in Erfurt wäre ich nicht rangegangen“, gibt der Firmenchef der Peter-Gruppe unumwunden zu. Dreieinhalb Jahre habe der Kampf mit dem Land gedauert, ehe klar war, dass dieser Brache endlich neues Leben eingehaucht werden kann.

Durch den hohen Grad der Kontaminierung muss der Boden bis auf acht Meter Tiefe abgetragen und spezialentsorgt werden. Dann wird das Terrain schichtweise wieder neu aufgebaut. Parallel dazu laufen Abpump-Arbeiten. Man holt aus sechs Brunnen in acht Metern Tiefe das verseuchte Grundwasser heraus, filtert es und lässt es an anderer Stelle wieder im Erdreich gesäubert versickern. Auch teuer. Insgesamt lässt sich Peter das Gesamtprojekt um die zehn Millionen Euro kosten. Seit Planungsbeginn sind die Kosten bereits um 20 Prozent gestiegen. Der Autohändler lässt sich aber von seinem Plan nicht abbringen. Auch, weil er von der richtigen Platzwahl überzeugt ist. Das Gelände liegt an einer Bundesstraße und man bleibe damit „im Leben Erfurts“. „Es wird nach heutigem Standards eines der modernsten Autohäuser in Thüringen“, sagt er.

Peter ist überzeugt, dass es auch in 20 Jahren noch herkömmliche Autoantriebe geben werde. „Die E-Mobilität wird sich nie komplett durchsetzen. Diese Batterien hat noch keiner erfunden“, ließ der 62-Jährige wissen. Und deswegen sei die Entscheidung für dieses automobile Opel- Dienstleistungszentrum, das den derzeitigen Mitarbeiterstamm von 90 auf 120 anwachsen lassen soll, „genau die richtige Entscheidung“.

Autor: Michael Keller
Artikel aus der Erfurter Allgemeine vom Freitag, den 04. September 2020


Hier finden Sie den Original-Artikel:
www.thueringer-allgemeine.de/regionen/erfurt/alles-muss-raus-id230329042.html


Hier gehts zum Video:
www.ardmediathek.de/ard/video/mdr-thueringen-journal/minol-auslieferungslager-wird-von-altlasten-befreit