Etwas Warmes braucht der Mensch

Gruppenfoto im Restaurant der Herzen: 6 junge Frauen mit schwarzen Sportoberteilen und roten Schürzen sitzen nebeneinander auf einer Heizung. Links und rechts stehen jeweils mehrere Personen. Alle blicken in die Kamera und lächeln.
Der Thüringer HC hilft im „Restaurant des Herzens“ (Foto: Autohaus Peter)
Erfurt, 17.12.2025 - Handballerinnen des Thüringer HC und ihr Cheftrainer servieren Bedürftigen im Erfurter „Restaurant des Herzens“ das Mittagsessen

Seit 1992 ist das „Restaurant des Herzens“ in der Evangelischen Stadtmission in der Erfurter Allerheiligenstraße ein verlässlicher Anlaufpunkt für Menschen, denen das Schicksal einiges abverlangt und nicht selten übel mitspielt. Zwischen dem Nikolaustag und dem letzten Freitag im Januar öffnet sich hier an fünf Tagen in der Woche zur Mittagszeit das Tor für alle, die eine warme Mahlzeit benötigen – unabhängig von ihrer Lebenssituation.

Damit der tägliche Ablauf reibungslos funktioniert, greift Restaurantleiterin Jana Keil auf ein rund 30-köpfiges Helferteam zurück. Es empfängt die Gäste, verteilt die Speisen, serviert am Tisch und kümmert sich anschließend um den Abwasch. Unterstützung kommt dabei seit einigen Jahren auch aus dem Sport: In der Vorweihnachtszeit engagieren sich regelmäßig Fußball-, Basketball- oder Eishockeyteams im „Restaurant des Herzens“.

In diesem Jahr wollten auch die Handballerinnen des Thüringer HC nicht fehlen. Am Mittwochmittag übernahmen sechs Spielerinnen gemeinsam mit Cheftrainer Herbert Müller Verantwortung im Service. Lotta Heider, Nathalie Hendrikse, Jana Scheib, Fine Hanfland, Julie Holm und Anika Niederwieser sagten sofort zu, als Müller Freiwillige suchte. Der THC-Coach selbst packte ebenfalls mit an – ebenso wie die beiden Hauptgesellschafter des Clubs, Helmut Peter und Robert Böhm. Zwar standen sie nicht hinter der Theke, überreichten jedoch jeweils einen Spendenscheck über 200 Euro an Jana Keil. Eine Unterstützung, die dringend benötigt wird, denn das gesamte Projekt finanziert sich ausschließlich aus Geld- und Sachspenden.

Täglich werden rund 150 Portionen im externen „Haus Zuflucht“ frisch gekocht und ins Restaurant geliefert. Am Mittwoch stand Krautsuppe auf dem Speiseplan, ergänzt durch Obst und Joghurt. Was serviert wird, bleibt im Vorfeld bewusst geheim – damit die Gäste nicht nur dann kommen, wenn Braten oder Rouladen angekündigt sind. Oder man nur am 23. Dezember kommt, wenn das Festtagsmahl mit Entenkeule, Klößen und Rotkraut serviert wird. Jeder Gast zahlt für die Mahlzeit den symbolischen Betrag von einem Euro. „Das hat etwas mit Selbstwertgefühl zu tun“, sagt Jana Keil.

Um 13 Uhr wurden die Gäste eingelassen, gegen 15.30 Uhr war auch der letzte versorgt. Herbert Müller sorgte an der Suppenkelle für großzügige Portionen, Julie Holm begrüßte die Gäste und verteilte Obst, Fine Hanfland kümmerte sich um Besteck, Anika Niederwieser reichte Brot zur Suppe, während die übrigen Spielerinnen Essen und Getränke an die Tische brachten. Dabei blieb viel Raum für freundliche Gespräche.

Die Resonanz war durchweg positiv – die Gäste zeigten sich begeistert von der Aktion und den engagierten Sportlerinnen. Die wiederum bekundeten später, dass ihnen das viel gegeben und Spaß bereitet hätte und sie sich eine Wiederholung im nächsten Jahr - dann gleich eine ganze Woche lang - vorstellen könnten. „Wenn‘s mit dem Training passt, gerne“, so Chefcoach Herbert Müller.

Zum Abschluss gehörte auch der Abwasch dazu: Nathalie Hendrikse und Jana Scheib spülten, die übrigen halfen beim Abtrocknen. Teamarbeit, wie man sie vom Spielfeld kennt – nur diesmal für eine gute Sache. Am Ende dieses Mittags gab es ausschließlich Gewinner.